Herbert Otterstädt an Kamerad Horst Rave in Berlin, 01.09.1938.




Herbert Otterstädt (1)
Duisburg / Brauerstr. 2, II
Duisburg, den 1.9.38


Kamerad
Horst Rave, Berlin W 30
Martin Lutherstr. 97



Lieber Kamerad Rave !

Gestern aus Gottschee zurückgekehrt, fand ich Deinen Brief vom 3.8.38 vor. Du wirst nun schon sehr auf die Portoabrechnung gewartet haben, die ich Dir erst in einigen Tagen zusenden kann, da ich noch mitten im Umzug stecke, wie Du an meiner neuen Adresse feststellen wirst. Meine Akten sind noch in der Kiste verpackt. Bezüglich der 1oo,oo RM hat Herr Dr. Petschauer auch inzwischen mehrere male angefragt.

Arbeitsbericht in Gottschee:

Die Lage in Gottschee hat sich in jeder Beziehung ganz ausserordentlich verschärft, sowohl der Kampf der Slovenen, der allmählich tschechische Methoden angenommen hat von den Massenanklagen und Arrestierungen an bis zum Überfall auf Reichsdeutsche.

Ausserdem ist der Zwiespalt zwischen der Restgruppe Arko und Kumpanen und der jungen nat. soz. Generation in voller Blüte, leider zum Nachteil der Gottscheer.

Das Misstrauen gegen Arko und Paula Suchadobnik steigt täglich mehr, da man wiederum beiden nachsagt, dass sie sich von Bestechungen nicht freihalten können. Meiner Meinung nach stellt die neue "Anerkennung" dieser "politischen Führung" Gottschees durch die Bundesleitung, wie ich schon seit langer Zeit mahnend sagte, nach Wissen der letzten Betrügereien Ostern den Gipfelpunkt des Skandals dar. Es ist geradezu himmelschreiend, dass bewissene Gauner und durch ihr Verhalten bewiesenen Gegner des Nationalsozialismus und Förderer der Schwarzen Internationale durch Eure Bundesleitung als "politische Führung" anerkannt worden sind!

Nunmehr hat es Arkos schmutzige und intrigante Art fertiggebracht, in etlichen Dörfern bereits den Keim des gegenseitigen Zwiespaltes unter den Bewohnern ausgestreut zu haben, wobei zu bemerken ist, dass "seine" Leute wie in Pöllandl Freunde der Slovenen, Renegaten und Strolche sind. Man soll eines Tages nicht im Gottschee - Referat sagen, das hätte man nicht alles gewusst!

Martin Sturm bemüht sich noch vergebens mit grossem Idealismus und gutem Glauben um den Ausgleich. Ansonsten lehnt die junge Generation die Mitarbeit mit Arko ab, zum Teil fordert man strikt Ablehnung der Restgruppe, ehe man die Bestrebungen des Gottsche-Referates unterstützt. (Pöllandl)

Meine Arbeit bestand angesichts der Tatsache, dass ich zu bekannt bin und stark beobachtet wurde, darin, dass ich die Büchereifrage weiter vortrieb. Als neue Ortsbibliothek ist Lienfeld vorgesehen und zwar nur für Schulkinder. Die Lehrerin Erker ist in der Lage, die Bücherei zu übernehmen. Der Vorschlag für die spezielle Buchauswahl geht später zu.

Etliche neue Stützpunkte sind bereits im Grundstock eingerichtet. Darüber ist Straka in Graz unterrichtet. Nunmehr ist die Versandfrage als endgültig geregelt anzusehen. In Agram habe ich noch einmal mit Herrn lng. Koken verhandelt, sodass nunmehr unbeschränkte Mengen sowohl nach Agram gesandt werden können als auch von dort sicher nach Gottschee gebracht werden. Nähere Nachrichten gehen in Kürze Dr. Straka zu.

Nach Suchen, Ort, Kummerdorf habe ich 4 Flöten abgegeben, die eigentlich für das Lager bestimmt waren. Obwohl bei meiner Ankunft in Gottschee das Zeltlager bis ins einzelne ganz ausgezeichnet organisiert war, musste von der Durchführung für dieses Jahr abgesehen werden, da das Verschwinden der Teilnehmer aufgefallen wäre und diese zum Teil so auf exponiertem Posten stehen, dass sie laufend beobachtet werden. (Man geht von slov. Seite dazu über, die Gottscheer unterwegs auf der Strasse zu kontrollieren, wenn sie Taschen, Mappen usw. bei sich führen).

Von Duisburg ist eine HJ - Gruppe 5 Tage durch Gottschee gewandert unter der ausgezeichneten Leitung von jg. Heintges. Diese brachte 40 Liederbücher, die extra für Gottschee zusammengestellt waren in der Liedauswahl mit. Ich betone das deswegen, weil diese Gruppe in jeder Beziehung vorbildlich war und zum Unterschied von anderen reichsdeutschen Gruppen nicht auffiel und doch arbeitete (Singabende in Göttenitz, Schwarzenbach, Katzendorf, Hohenegg, Morobitz, Loschin, Ebental, Masern.

Um die Wohnungen der Gottscheer mit guten Bildern und kernigen deutschen Sprüchen auszustatten, habe ich veranlasst, dass man aus dem deutschen Rassekalender (dieser stand mir besonders zur Verfügung) entsprechende Sprüche, Aussprüche, in einfacher Form rahmt. Etwa 12 solcher Bilder wurden bisher abgegeben. Elfi Lackner interessiert sich besonders dafür und wird die Arbeit aufnehmen. Ich habe ihr versprochen, für Material zu sorgen (Sprüche). Denkt bitte nach Möglichkeit an mich, wenn Ihr etwas habt!

Die Passfrage ist jetzt für die Ausbildung Gottscheer im Reich die Kardinalfrage. In den meisten Fällen werden die Pässe verweigert. Deshalb halte ich es für dringend notwendig, dass man von der Bundesleitung aus beschleunigt arbeitet, wenn sich eine passende Gelegenheit bietet.

Für die Schule in Zehlendorf ist ein Mädel, Maria Göstl aus Durnbach - Suhi potok, post Mozelj bei Kocevje vorgesehen. Sie ist erst 15 1/2 Jahre alt. Deshalb würde es gerne gesehen, wenn Ihr für sie eine Arbeitsstelle in einer Familie freimachtet, damit sie dort noch ein halbes Jahr zuvor arbeitet. Das Mädel kenne ich persönlich und ich kann sagen, dass ich sie trotz ihres geringen Alters (Sie sieht übrigens 18 jährig aus und ist körperlich sehr stämmig!) mit recht geeignet erscheint. Man erwartet sofort Nachricht drüben.

Sehr erbittert oder besser verbittert ist der Schalkendorfer Pleschinger, der 2 Jahre in der Süssmosterei ausgebildet worden ist, die er als "verlorene Zeit" empfindet, da man den Süssmostplan fallen gelassen hat, wie er mir mitteilte. Er und Kraker - Zwischlern, der gerne heiraten möchte und sich im übrigen in seinem Dorfe gut einsetzt, wollen gerne hausieren, aber nur unter der Bedingung, sagen sie, wenn man ihnen die 80% nicht abverlangt, die sie zum Aufbau ihrer Existenz nötig brauchten. Ich habe sie an Sturm verwiesen und gebe dies Euch nur deshalb zur Kenntnis, weil ich besonders gebeten wurde, dies zu tun.

Besondere Hausierwünsche hat Eppich - Ebental für seine Leute. Er sei verantwortlich dafür, sagt er, dass alle Leute jungverheiratet seien und auf dem Hofe blieben. Als ich ihn an die dafür bestimmten Leute in Gottschee wies, bekundete er diesen gegenüber merkwürdigerweise Misstrauen, obwohl er zu jenen als Vertrauensperson gehört. Die Namensliste wird in den nächsten Tagen nachgereicht.

Das sind alles traurige Nachrichten.

Die Frage der "Gottscheer Zeitung" ist nach dem Sturm im Juni so, dass Herbert Erker, der ein halbes Jahr unentgeltlich arbeiten musste, und dazu seine gutbezahlte Stelle in Neusatz aufgab, nunmehr unter der Oberaufsicht von Krauland Beiträge schreiben darf, die von jenem zensiert werden, bevor der Bezirkshauptmann streicht, eine Schweinerei, die den Kapitalbonzen rund um Arko zuzuschreiben ist. Jener famose Herr ist verantwortlich für den Artikel "Vollwertige Jugend", der den Slovenen zum Vorbild für den Gottscheer Jungbauer macht und unter anständigen Leuten mit Landesverrat mild bezeichnet wird.

Erker hat im Juli erstmalig 900 Dinar erhalten, von Graz ist ein Zuschuss vorgesehen gewesen, der seit 2 Monaten nicht mehr eintraf. Erker kann unter solchen Umständen nicht weiter arbeiten, da er leben muss. Ich bitte, sich mit Graz in Verbindung zu setzen. Einen ausführlicheren Bericht, insbesondere über die allgemeine Lage, werden sicher auch noch die Teilnehmer der Gruppe Dummer geben, sodass ich mich beschränken kann.

Theuerjahn hat verschiedentlich mit der Bezirkshauptmannschaft schlechte Bekanntschaft gemacht. Er ist denunziert worden.

Die Fibelfrage ist so geregelt, dass für das Suchenertal Stefie Muchitsch verantwortlich ist, die die Familien für den Selbstunterricht versorgt und Beihilfe gibt. Für die Moschnitze macht es Olga Spreitzer, für Morobitz, Tiefental, Inlauf Sophie Kren und Pfarrer Wittine, für den Hornwald um Warmberg Sophie Kren. Die Fibeln können gefahrlos bis Agram gesandt werden. Für den weiteren Weg ist gesorgt.

Heil Hitler!



Anmerkungen:

(1) Herbert Otterstädt, geb. 12. Februar 1912 in Berlin. Starb 26. November 1963 in Wiesbaden. Gattin Hilde, (verehelicht 1938), Tochter von Josef Erker, Gottscheer, Lehrer in Masern (Grcarice) 1912-1914. Zwei Kinder. Otterstädt durch Gattin mit Gottscheer Volksgruppe verbunden. Besuchte "Winterschule" für Gottscheer Jungbauern in Ulm in 1938. An dieser "Winterschule" waren gleichzeitig 60 junge Gottscheer unter Gottscheer Volksgruppen u. SS-Sturmbannführer Wilhelm Lampeter.

Verfasser von:
- Deutscher Besitz in Krain - nationalsozialistisches Südostdeutsches Institut, Graz, 1940.
- Vom deutschen Blutsanteil in Krain, 1941. Gottschee, eine deutsche Volksinsel im Südosten, 1941.
- Gottschee, Verlorene Heimat deutscher Waldbauern, 1962.

Ehrenringträger der Gottscheer Landsmannschaft.



www.gottschee.de





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